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31.05.2010: Mit Waffengewalt ist die israelische Armee gegen die humanitäre Freiheits-Flotille vorgegangen, die sich mit sechs Schiffen und 10.000 Tonnen Hilfsgütern auf dem Weg in den palästinensischen Gazastreifen befand. Berichten eines israelischen Privatsenders zufolge wurden bei der Erstürmung mindestens eines Schiffes durch die Israelis zehn Teilnehmer der Karawane getötet und 30 verletzt.

Der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera spricht sogar von 16 Toten, während eine israelische NGO »nur« zwei Todesopfer bestätigt. Israelische Medien informierten mittlerweile darüber, dass die israelische Militärzensur es ihnen untersagt, weitere Informationen über die Ereignisse zu verbreiten. Einem türkischen Fernsehsender war es jedoch noch während der Ereignisse gelungen, Livebilder vom Überfall der Soldaten auszustrahlen. Auch der israelische Armeesender bestätigte, dass die Soldaten das Feuer eröffnet hätten, nachdem sie "scharfe Gegenstände" an Bord entdeckt hätten. Augenzeugen sagten hingegen aus, die Israelis hätten sofort das Feuer eröffnet, als sie mit der Erstürmung des Schiffes begannen.

Der Regionalkorrespondent von TeleSur, Hisham Wannous, informierte, dass die israelische Kriegsmarine neben ihren schwerbewaffneten Schiffen, die in Haifa ausgelaufen waren, auch mindestens einen Helikopter gegen die unbewaffneten Schiffe einsetzte. Spontan gingen in Gaza und in der Türkei Menschen auf die Strasse, um gegen die Aggression zu protestieren. Die Kampagne Free Gaza informierte, dass das angegriffene Schiff die türkische IHH war. Zu den Teilnehmern der internationalen Flotille gehören Europaabgeordnete, Friedensnobelpreisträger, der Bestsellerautor Henning Mankell, Menschenrechtsaktivisten und andere.

Wenige Stunden vor den dramatischen Ereignissen berichtete der Völkerrechtler Norman Paech in seinem Blog von der Flotille aus über die Stimmung an Bord: „Ruhige See, die Sonne geht um fünf Uhr am wolkenlosen Himmel auf. Nach dem Frühstück wurde entschieden, dass unser Schiff Wasser und Diesel von unserem Versorgungsschiff aufnimmt und weiter nach Gaza fährt. Die drei schwedischen Passagiere, die wir in Famagusta aufgenommen haben, ein Parlamentarier, eine Ärtzin und der Schriftsteller Henning Mankel werden auf das schwedisch-griechische Frachtschiff gebracht. Wir wechseln auf die Marmara, wo Matthias Jochheim sich unter den ca. 600 Passagieren befindet, während zwei australische Journalisten und die US-amerikanische ehemalige Diplomatin Ann Wright auf die Challenger überwechseln.

Nun sind alle Boote versammelt außer der Challenger II, deren technische Problme zu groß geworden sind und einen Hafen in Zypern zur Reparatur anlaufen wird und das irische Frachtschiff Rachel Corrie, das sich noch zwei bis drei Tage hinter uns befindet. Die Challenger II soll nach der Reparatur versuchen, die Rachel Corrie zu erreichen und dann gemeinsam als "zweite Welle" die Blockade von Gaza zu durchbrechen. In der Pressekonferenz, die wir kurz nach unserer Ankunft auf der Marmara geben, wird die Information verbreitet, dass Israel seine 20 Meilen Zone auf 68 Meilen als militärische Sperrzone ausbreitet. Das kann uns nicht hindern, da wir keine militärischen, sondern ausschließlich humanitäre Güter transportieren und keine Gefahr für Israels Sicherheit darstellen.

Um 16 Uhr hat sich die Flotilla langsam in Bewegung gesetzt. In 18 Stunden wollen wir in Gaza eintreffen. Auf der Marmara - offensichtlich ein Ausflugsdampfer im Marmara-Meer ohne Kabinen aber großen Sälen voller Stühle und Bänke - geht es wie auf einem Basar auf engem Raum zu. Im Presseraum 20 Laptops, Sattellitentelefon und direktem Zugang zu Fernsehen und internationaler Presse. Ständige Live-Interviews arabischer und türkischer Sender, auch BBC und Belgischer Rundfunk sind vertreten.“ Es schwirrt von Gerüchten über die israelischen Pläne. Eines hat sich nicht bestätigt, dass Israel den Funkkontakt jammt und unterbindet. Die Störung der Sattellitenphone werde mit zwei Spiegeln ausgetrickst, was man uns als erstes nach einem Tee zeigt. Etwas müde suchen wir uns ein ruhiges nicht besetztes Plätzchen, was sich als schwer erweist.

Quelle: redglobe   Foto: Film auf Aljazeera.net

weitere Informationen auf freegaza.de

Hilfe für die Opfer des Gaza-Kriegs - Solidaritätsprojekt der DKP