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01.10.2015: Eine achtköpfige Nazibande hat mit Messern, Hämmern und einem Baseballschläger eine Dönerbude am Ebersberger Bahnhof überfallen. Polizei und Staatsanwaltschaft können weder einen rechtsextremen Hintergrund noch eine Tötungsabsicht erkennen. "Nur wenn jemand ein Messer mitbringt, ist er noch kein versuchter Totschläger", erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft München.


Seit Monaten nehmen neofaschistische und rassistische Aktivitäten im Raum Ebersberg, in der Nähe von München, zu. Drohbriefe  und –anrufe an ein griechisches Gastwirtsehepaar, massenhaft neonazistische Aufkleber, Flüchtlingsunterkünfte werden mit rassistischen Parolen beschmiert, Flugblattverteilung der Nazipartei "Der Dritte Weg" und Hakenkreuzschmierereien am S-Bahnhof. Als bisheriger Höhepunkt rechtsextremer Aktivitäten nun der Überfall auf die Dönerbude am Ebersberger S-Bahnhof am vergangenen Freitag mit zwei Verletzten. Acht Nazis fielen mit Messern, Hämmern und einem Baseballschläger über den afghanischen Imbissbetreiber und seine Mitarbeiter her, nachdem sie zuvor auf dem Bahnsteig Flüchtlinge beschimpft und geschubst hatten.

Trotzdem bestreitet die Polizei, dass es eine organisierte rechtsextrem Szene im Raum Ebersberg gebe. Einen Zusammenhang der verschiedenen Vorfälle gebe es nicht, heißt es von der Abteilung Staatsschutz der Kripo Erding. Nach dem Überfall vom Freitag sagte der ermittelnde Staatschutzbeamte gegenüber der Süddeutschen Zeitung: "Es gibt überall welche, die zu stark rechts tendieren, genauso wie nach stark links." Die Hakenkreuzschmierereien könnten auch das Werk von 'Linksextremisten' sein, heißt es bei der Polizei. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft München II wiegelt ebenfalls ab und kann bei dem Überfall am Ebersberger S-Bahnhof keine Tötungsabsicht erkennen. Zwar war einer der Dönerbudenmitarbeiter durch einen Messerstich so stark verletzt worden, dass er mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden musste, aber der Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärt: "Nur wenn jemand ein Messer mitbringt, ist er noch kein versuchter Totschläger."

Da wundert es nicht, dass die Tatverdächtigen des Überfalls wieder auf freien Fuß sind. Unverständlich ist auch, warum es 20 Minuten dauerte bis die Polizei am Tatort eintraf, denn die Polizeiinspektion Ebersberg liegt nur 400 Meter von diesem entfernt.

Robert Andreasch von der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (Aida) nennt die Aussagen von Polizei und Staatsanwaltschaft "eine Unverschämtheit". "Es wird alles an den Start gebracht, was verharmlosend wirkt."

Doch die Ebersberger BürgerInnen nehmen diese Umtrieb nicht widerstandslos hin. Die Dönerbude ist inzwischen mit Zetteln übersät: "Wir halten zu euch", "Gegen Rassismus", "Gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben", steht auf den Zetteln.  Oder einfach nur "Danke" oder ein Peace-Zeichen. Am Briefkasten hängt ein Ausdruck von Artikel drei des GrundgesetzesArtikel eins klebt am Fahrkartenautomat neben der Dönerbude.

Am Sonntag nach dem Überfall versammelten sich mehr als 80 Menschen zu einer spontanen Mahnwache in der Kleinstadt. Für Samstag, 3. Oktober, 11 Uhr, ruft das Bündnis "Bunt statt Braun" zu einer Kundgebung auf.


 

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